Spieglein, Spieglein ...

sehnsucht


Tags: #Sehnsucht #Zweisamkeit #Liebe #Vertrauen #Hingabe #Einsamkeit #InnereZerrissenheit #Herzgedanken #StilleSehnsucht


Zweisamkeit. Ein Wort, das wie ein Flüstern klingt, kaum greifbar und doch so schwer auf der Zunge liegt. Manchmal frage ich mich, ob ich mich danach sehne, weil es in meiner Natur liegt, oder ob es diese ausgehöhlte Zeit ist, die mir solche Wünsche in die Brust pflanzt. Es ist keine brennende Sehnsucht, die mich um den Schlaf bringt. Nein, sie ist ein langsames Tropfen, stetig, kalt, fast unbemerkt – bis es ein Echo hinterlässt, ein leises Pochen irgendwo in den Tiefen meiner Gedanken.

Ich stelle mir oft vor, wie es wäre, jemanden zu haben, der bleibt, wenn es nichts mehr zu sagen gibt. Jemanden, der nicht fragt, warum die Worte heute schwerer wirken als sonst, sondern in meinem Schweigen ein Zuhause sieht. Zweisamkeit ist für mich keine ständige Nähe, kein loderndes Feuerwerk aus Berührung und Worten. Sie ist dieses Wissen, dass etwas nicht zerbricht, auch wenn es sich dehnt, wenn es durch Stürme führt oder in den Nebel aus Versagensangst und Selbstzweifeln eintaucht.

Aber Liebe… Liebe scheint mir ein zärtlicher Verrat an sich selbst zu sein. Ein Sich-Ergeben an die Welt eines anderen, mit all ihren Rissen und Narben. Nicht aus Blindheit, sondern aus dem stillen Wissen heraus, dass diese Brüche auch meine sind. Vielleicht ist es genau das, was Vertrauen so quälend schön macht: Es verlangt, dass man sich entblößt, mit all seinen Unvollkommenheiten, seinen Ängsten und Abgründen.

Ich frage mich, ob wir überhaupt noch dazu imstande sind, so etwas zuzulassen. Uns ganz und ohne Vorbehalt auszuliefern – nicht als Besitz, sondern als Geschenk, das nicht zurückgefordert werden kann. Oder ist Hingabe nur noch ein Wort aus alten Geschichten, etwas, das sich für uns modernisierte Ruinen als zu riskant anfühlt?

Manchmal male ich mir in den düsteren Stunden aus, wie es wäre, jemanden zu lieben, ohne Angst vor der Möglichkeit, verletzt zu werden. Jemanden, dessen Stimme wie ein Hafen klingt, der nach Hause ruft, wenn alles andere verflogen ist. Doch dann ermahne ich mich. Solche Fantasien, so schön sie auch sein mögen, können schnell zur Falle werden. Denn sie verlangen nach Perfektion, und Perfektion kann uns nur das Leben vorenthalten.

Hingabe – wie lange hab ich über dieses Wort nachgedacht? Es ist keine Schwäche, wie es so oft dargestellt wird. Sie braucht Mut, vielleicht mehr, als man sich selbst zugesteht. Hingabe ist der Augenblick, in dem man sich anvertraut, ohne Netz, ohne Sicherung. Sich ausliefert in das, was ein “Wir” sein könnte, auch wenn die Welt drumherum weiterhin brüchig bleibt.

Doch diese Vision ist bittersüß. Ein Teil von mir glaubt, dass ich irgendwann in diese Art von Zweisamkeit eintauchen könnte, und zugleich habe ich die Ahnung, dass ich nicht weiß, wie man sie festhält. Vielleicht liegt die wahre Tragik darin, dass wir uns so sehr nach Verbindungen sehnen und uns doch davor fürchten, wirklich gesehen zu werden.

Am Ende, so scheint es mir, ist Sehnsucht wie Regen. Sie kühlt, sie reinigt, und doch rinnt sie unbarmherzig durch jede Lücke – bis etwas in uns beschließt, entweder zu zerbrechen oder daran zu reifen.

Heute, mit diesem Gefühl von Dunkelheit und stiller Hoffnung, blicke ich in die Nacht, beobachte den Mond, wie er stumm durch den wolkenverhangenen Himmel zieht. Und mir wird klar: Ich warte nicht nur auf jemanden. Ich warte darauf, mich selbst zu berühren, in dem Anderen gespiegelt, verstanden, vielleicht gefunden.

Vielleicht ist das die bittersüßeste Wahrheit von allen.

... dreht sich um und geht