ich
Ich bin ein leiser Zwischenraum, ein Atemzug zwischen zwei Herzschlägen, eine Stimme, die oft mehr denkt als spricht, und wenn ich ehrlich bin, dann bin ich all das, was man nicht sieht, wenn man mich flüchtig betrachtet, denn ich lebe allein, nicht nur räumlich, sondern auch in diesem inneren Sinne, in dem man lernt, mit sich selbst auszukommen, selbst wenn man sich manchmal kaum erträgt.
Ich bin single, nicht aus Überzeugung, sondern aus einer Mischung aus Müdigkeit, Angst und dieser tief sitzenden Sehnsucht nach etwas Echtem, das sich nicht kaufen, nicht erzwingen und schon gar nicht erklären lässt, etwas, das bleibt, ohne laut zu sein. Ich liebe leise, aber intensiv, mit einer Romantik, die eher an verregnete Friedhöfe und flackernde Kerzen erinnert als an Sonnenuntergänge und Versprechen, die zu leicht gegeben werden.
Ich bin queer, nicht als Etikett, sondern als gelebte Wahrheit, als ständiges Dazwischen, als Weigerung, mich in starre Formen pressen zu lassen, die mir nie gepasst haben. Meine Existenz ist kein Statement, sondern ein Überleben in einer Welt, die so oft verlangt, dass man sich erklärt, rechtfertigt oder kleiner macht, nur um weniger aufzufallen.
Ich bin goth, schwarzromantisch, angezogen von der Dunkelheit nicht, weil ich das Licht verachte, sondern weil ich gelernt habe, dass in der Dunkelheit Dinge ehrlich werden, dass dort nichts blendet, nichts beschönigt, nichts lügt. Schwarz ist für mich kein Mangel an Farbe, sondern die Summe aller Gefühle, die zu schwer waren, um sie hell zu nennen. Ich finde Schönheit im Verfall, Trost in Melancholie und Wahrheit in den Rissen.
Ich bin unglücklich, und ich sage das ohne Drama, ohne große Geste, eher wie eine nüchterne Feststellung, weil es Tage gibt, an denen das Aufstehen mehr Kraft kostet als es sollte, und Nächte, in denen die Stille so laut ist, dass sie mir die Brust zuschnürt. Hoffnung ist für mich kein stabiler Zustand, sondern ein flüchtiger Gast, der manchmal vorbeischaut und genauso schnell wieder verschwindet, ohne sich zu verabschieden.
Ich lebe mit ADHS, und nach außen hin merkt man davon oft wenig, weil ich gelernt habe, mich zu kontrollieren, meinen Körper ruhig zu halten und meine Impulse zu zähmen. Ein langer, mühsamer Trainingsprozess, der Kraft gekostet hat, mehr als man sieht. Die Unruhe tobt nicht in meinen Händen, sondern in meinem Kopf. Konzentration ist meine Schwäche, Gedanken springen, verlieren sich, Projekte wechseln, beginnen leidenschaftlich und bleiben doch selten lange, auch wenn das Interesse nie wirklich verschwindet, sondern nur woanders weiterlebt.
Und trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, bin ich liebevoll, auf eine vorsichtige, tastende Art, ich halte Nähe wie etwas Zerbrechliches in den Händen, ich sehe Details, Stimmungen, unausgesprochene Dinge, ich liebe tief, selbst wenn ich nicht mehr daran glaube, dass Liebe mir guttut. Ich schreibe, weil es mich hält, wenn nichts anderes es tut.
Vielleicht bin ich hoffnungslos. Vielleicht bin ich einfach nur müde. Vielleicht bin ich beides.
Ich muss nicht gerettet werden. Ich bin kein Projekt, kein Rätsel, kein kaputtes Ding, das repariert werden will. Ich muss akzeptiert werden, genau so, wie ich bin, mit all meinen Brüchen, meiner Dunkelheit, meiner Überforderung, meiner Zärtlichkeit.
Wenn du hier bist und dich in diesen Zeilen wiederfindest, dann weißt du vielleicht, wie es ist, gleichzeitig zu viel und nicht genug zu sein.
Das hier bin ich. Ungefiltert. Dunkel. Und noch da.